Der Lauf rund um den Widderstein ist kein gemütlicher Panoramastart, sondern ein kompakter alpiner Test: kurze Distanz, viele Höhenmeter, steile Passagen und ein technisches Finale. Wer die Runde richtig einordnet, weiß schnell, ob er eher auf kontrollierten Rennrhythmus, saubere Bergtechnik oder einen echten Formtest setzt. Genau darum geht es hier: Strecke, Renncharakter, Vorbereitung und die Logistikpunkte, die am Ende oft mehr ausmachen als eine Minute mehr oder weniger im Training.
Die wichtigsten Fakten auf einen Blick
- Der Widderstein Trail ist die Kurzdistanz der Walser Trail Challenge: rund 15 km, etwa 980 Höhenmeter, Start und Ziel in Baad.
- Die Ausgabe 2026 lief am 25. und 26. Juli als Auftakt des Berglauf-Wochenendes.
- Die Strecke ist alpin, steil und technisch und damit klar kein flacher Einsteigerlauf.
- Stöcke sind erlaubt, an mehreren Punkten gibt es Verpflegung, die dritte Station liefert nur Wasser.
- Parkraum am Start ist knapp, der Walserbus ist am Renntag für Athletinnen und Athleten frei nutzbar.
- Wer trittsicher bergauf und bergab läuft, bekommt hier einen sehr ehrlichen Trail-Test auf kurzer Distanz.
Warum dieser Lauf im Wochenende eine besondere Rolle spielt
Ich sehe diese Kurzstrecke als die verdichtete Form des gesamten Events. Sie ist kurz genug, um mit voller Konzentration gelaufen zu werden, aber lang und steil genug, um jeden Fehler sofort zu bestrafen. Genau das macht ihren Reiz aus: Hier zählt nicht nur Motorleistung, sondern auch Timing, Schrittökonomie und die Bereitschaft, im Gelände sauber zu arbeiten.
Die Walser Trail Challenge baut den Wettkampfcharakter bewusst aufeinander auf. Wer nur diese Runde läuft, bekommt einen kompakten Berglauf mit echter alpiner Substanz. Wer sie als Teil einer Doppelbelastung sieht, merkt schnell, wie wichtig die richtige Pacing-Entscheidung ist. Für mich ist das der Punkt, an dem aus einem schönen Traillauf ein seriöser Laufwettkampf wird.
| Wettkampf | Distanz | Höhenmeter | Charakter |
|---|---|---|---|
| Widderstein Trail | ca. 15 km | ca. 980 hm | kurz, steil, technisch |
| Walser Trail | ca. 28 km | ca. 1.700 hm | deutlich ausdauernder |
| Walser Ultra | ca. 63 km | ca. 3.900 hm | alpine Langdistanz |
Der Vergleich zeigt schnell, wo die Runde sitzt: Sie ist die kürzeste Distanz des Wochenendes, aber keineswegs die leichteste im Kopf. Wie sich diese Kürze auf der Strecke anfühlt, zeigt der nächste Abschnitt.

So liest sich die Strecke rund um Baad
Die Strecke ist eine Runde mit Charakter, kein beliebig zusammengeklebter Kurs. Sie startet in Baad, führt zunächst entlang der Breitach und arbeitet sich dann über das Gemsteltal in den alpinen Kern der Runde hinein. Ab dort wird klar, warum dieser Lauf als technisch und schwer gilt: schmalere Wege, steilere Anstiege, felsigere Abschnitte und ein Downhill, der Konzentration verlangt.
Je nach Messung liegt die Runde bei rund 15 Kilometern und zwischen 900 und 980 Höhenmetern. Das ist keine Widersprüchlichkeit, sondern schlicht unterschiedliche Vermessung. Für die Rennrealität ist wichtiger, dass die Verteilung der Anstrengung sehr ungleich ist: erst ein kontrollierter Einstieg, dann ein langer Druck bergauf und am Ende ein Abstieg, der sich im Tempo, aber auch in den Beinen bemerkbar macht.
| Abschnitt | Was passiert dort | Worauf ich achten würde |
|---|---|---|
| Baad bis Gemstelboden | ruhiger Einstieg entlang des Tals | nicht zu früh überziehen, Rhythmus finden |
| Gemsteltal bis Obere Gemstelhütte | steiler, schmaler und alpiner | Schrittlänge verkürzen, Druck sauber aufbauen |
| Gemstelpass und Widdersteinhütte | höchster und exponierter Teil der Runde | saubere Linienwahl, Kraftreserven behalten |
| Bärgünntal zurück nach Baad | technischer Abstieg und schneller Rückweg | Downhill kontrollieren, nicht nur Tempo jagen |
Ich mag an dieser Runde besonders, dass sie nicht versucht, künstlich spektakulär zu sein. Sie ist einfach ehrlich. Wer technisch sauber läuft, gewinnt hier mehr als jemand, der nur auf flachen Kilometern stark ist. Genau daraus ergibt sich die Frage, für wen dieser Lauf wirklich passt.
Für wen der Lauf geeignet ist und für wen nicht
Sportlich ist das Rennen vor allem für Läuferinnen und Läufer gedacht, die auf Bergtrails zu Hause sind oder zumindest schon genug Erfahrung mitbringen, um Tempo und Risiko sauber auszubalancieren. Offiziell ist der Start ab Jahrgang 2009 möglich, praktisch braucht man aber mehr als nur das richtige Alter: Trittsicherheit, Belastungsverträglichkeit und ein gutes Gefühl für bergab laufende Beine sind hier wichtiger als eine gute Asphaltzeit über 10 Kilometer.
Ich würde den Lauf nicht als Einstieg in den Traillauf empfehlen, wenn du noch unsicher auf Geröll, Wurzeln oder schmalen Passagen bist. Wer dagegen schon längere Hügel- oder Bergläufe kennt und sich in technischen Downhills nicht verkrampft, bekommt eine sehr passende Aufgabe. Das Rennen belohnt ein ruhiges Selbstverständnis im Gelände mehr als die Lust auf einen schnellen Anfang.
- Gut geeignet für erfahrene Trailrunner mit solider Bergtechnik.
- Geeignet für ambitionierte Bergläufer, die eine kurze, harte Alpineinheit suchen.
- Weniger geeignet für Debütanten, die noch an sicherem Downhill-Laufen arbeiten.
- Vorsicht für alle, die bergauf stark sind, bergab aber zum Bremsen neigen.
Wer dafür trainiert, spart später viel Kraft in den Abwärtspassagen. Und genau dort beginnt die Vorbereitung, die den Unterschied macht.
So bereitest du dich auf die Höhenmeter vor
Für einen Lauf wie diesen reicht reine Kilometerbasis selten aus. Ich würde die Vorbereitung klar bergspezifisch aufziehen: weniger Ego, mehr Höhenmeter, mehr Technik, mehr Kontrolle. Ziel ist nicht, im Training jeden Anstieg zu gewinnen, sondern den Körper so zu schulen, dass er am Renntag im steilen Gelände nicht gegen jede Steigung protestiert.
Ausdauer statt Tempojagd
Ein sinnvoller Rahmen sind über mehrere Wochen ein bis zwei längere Bergläufe pro Woche, zum Beispiel 90 bis 150 Minuten mit 400 bis 800 Höhenmetern, je nach Ausgangsniveau. Dazu passt eine Einheit mit wiederholten Anstiegen, etwa 6 bis 10 Intervalle à 3 bis 5 Minuten bergauf. So trainierst du nicht nur die Lunge, sondern auch die muskuläre Widerstandsfähigkeit für die steilen Passagen der Runde.
Abstiege trainieren
Der technische Downhill entscheidet hier mehr, als viele vor dem Start vermuten. Wer nur bergauf trainiert, bezahlt im Rückweg nach Baad oft mit schweren Oberschenkeln und unsauberen Schritten. Ich würde deshalb gezielt bergab laufen, kurze kontrollierte Abstiege einbauen und auf saubere Fußplatzierung achten. Das ist kein Showelement, sondern die einfachste Form von Zeitgewinn ohne Extra-Risiko.
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Verpflegung und Ausrüstung
Die Strecke ist kurz, aber nicht kurz genug, um die Verpflegung zu ignorieren. Für Belastungen über 90 Minuten plane ich im Regelfall mit 30 bis 60 Gramm Kohlenhydraten pro Stunde und einer Trinkmenge, die je nach Temperatur grob bei 500 bis 750 Millilitern pro Stunde liegt. Beim Material sind griffige Trailschuhe Pflicht im eigentlichen Sinne, auch wenn der Lauf keine starre Showveranstaltung ist. Stöcke sind erlaubt, aber sie bringen nur dann Vorteile, wenn du sie wirklich sauber einsetzen kannst.
Wenn die Beine diese Belastung gewohnt sind, wird der Renntag deutlich einfacher. Dann bleibt nur noch die Frage, wie man die Organisation rund um Start und Ziel klug hält.
Organisation, Anreise und Rennlogistik
Die Logistik ist bei diesem Rennen angenehm überschaubar, aber nicht beliebig. Der Start liegt in Baad, und auch das Ziel befindet sich dort. Startnummern gibt es am Vortag im Walserhaus in Hirschegg sowie am Rennmorgen im Startbereich. Das klingt schlicht, spart aber Stress, wenn man es vorher sauber einplant.
| Thema | Praktische Info |
|---|---|
| Start | Samstag, 25. Juli 2026, 10:00 Uhr in Baad |
| Ziel | ebenfalls Baad |
| Startnummernausgabe | Freitag in Hirschegg, Samstagmorgen in Baad |
| Verpflegung | Stationen bei km 3,8, 6,0, 9,5 und 13,1; bei km 9,5 nur Wasser |
| Anreise | Parkraum am Start ist knapp, der Walserbus ist am Renntag kostenfrei |
| Duschen | im Bereich des Campingplatzes Vorderboden, rund 800 Meter vom Ziel entfernt |
Für mich ist dieser Teil nicht nebensächlich, sondern rennentscheidend. Wer morgens schon mit Parkplatzsuche, Startnummernchaos oder verschwundenem Equipment beginnt, verschwendet mentale Energie, die später im Anstieg fehlt. Gerade bei einem alpinen Lauf mit engeren Zeitfenstern und Wetteroptionen ist ein ruhiger Ablauf oft mehr wert als ein weiteres hartes Training in der letzten Woche.
Was ich an der Runde für die Rennplanung nicht unterschätzen würde
Wer den Widderstein Trail sauber laufen will, sollte die ersten Kilometer bewusst kontrolliert angehen und den technischen Abstieg nicht als Reststück behandeln. Die Strecke bestraft Übermut schnell, vor allem dann, wenn man im Anstieg zu viel nimmt und im Downhill nicht mehr sauber tritt. Ich würde den Fokus deshalb auf drei Dinge legen: ruhiger Start, saubere Steigtechnik, kontrollierte Abfahrt.
Genau darin liegt für mich der sportliche Wert dieser Runde. Sie ist kurz genug für ein intensives Rennen, aber anspruchsvoll genug, um echte Berglaufkompetenz sichtbar zu machen. Wer das akzeptiert und die Vorbereitung daran ausrichtet, bekommt hier ein sehr klares, sehr ehrliches Stück Trailrunning.